Junge Lise-Poet:innen fesseln das Publikum im Museum Morsbroich
Im Rahmen des 75-jährigen Jubiläums des Museums Morsbroich, veranstaltete dieses vom 8.-10. Mai die Morsbroicher Kunsttage.
Den Auftakt der Veranstaltung bot der Poetry Slam Abend am Freitag, den 8. Mai, im Skulpturenpark des Museumsgelände.
Die sogenannte „Park Stage“ des Künstlers Mischa Kuball, welche aus vier beleuchteten Steinkreisen besteht, bot den jungen Poet:innen eine einzigartige Bühne um ihre Kunst mit dem Publikum zu teilen.
Der Musiker und Poetry Slammer Lukas Raschke moderierte den freundlichen Wettbewerb der Poet:innen. Das Publikum spielte dabei die entscheidende Rolle, denn die Lautstärke des Applauses bestimmte die Gewinner:innen des Abends.
Ermittelt wurde die Lautstärke von Lukas Raschke selbst und drei Freiwilligen aus dem Publikum.
Vor Beginn erklärte der Musiker das aus den USA stammende Konzept des Poetry Slams. Dabei tragen die Slammer:innen eigenverfasste Gedichte oder ähnliche Texte dem Publikum vor. Sowohl der Text als auch die Performance spielen eine Rolle. Anschließend trug Lukas Raschke einen eigenen Text vor, welcher von innerem Schmerz und einem Gefühl der Verzweiflung und des Stecken-Bleibens, handelte. Nach einer Applausübung mit dem gespannten Publikum, trat dann die erste Teilnehmerin des Lise-Meitner-Gymnasiums auf, Tara.
Die 15-jährige Schülerin trug ihr politisches Gedicht „Still“ vor, welches von der Unterdrückung der Frau handelt und von Sexismus und Gewalt, welche Frauen auf der ganzen Welt erfahren. Sie fesselte das Publikum mit einem einschüchternden Monolog aus der Perspektive eines Mannes:
„Sei still,
du darfst nicht sprechen, darfst nicht singen
Ein Vogel darf zwitschern, aber nicht du.“
Die zweite Poetin, Ruweida, präsentierte ihr Werk „Traum“. Ein weiterer tiefgreifender Text über Zukunftsträume und Chancenungleichheit, Rassismus und Benachteiligung die diesen im Weg stehen. Auch die Frage der eigenen Identität und dem Streben nach den eigenen Lebenszielen und Gerechtigkeit, spielten eine große Rolle.
Danach trat Simeon auf die Bühne und präsentierte sein Gedicht „Blühen“, ein von Metaphern geschmücktes Werk. Er nahm das Publikum mit auf eine anschauliche Reise durch den Körper eines Menschen und ging unter anderem auf inneren Schmerz und Druck ein.
Als letztes trat die Schülerin Kenza mit ihrem Werk „Perfekte Welt“ auf.
Ihr Text handelte von den Krisen und dem Leid auf der Welt. Und der Hoffnung und dem Bestreben einer „perfekten“ Welt, in denen Ungerechtigkeit, Leid und Gewalt überwunden werden.
Nach tobendem Applaus und Uneinigkeit von Seiten der Jury kam es anschließend zu einem Stechen zwischen Tara und Kenza. Beide Künstlerinnen präsentierten einen weiteren Poetry Slam, um die letztliche Gewinnerin des Abends zu ermitteln.
Taras Gedicht „Du selbst“, handelte erneut von Geschlechterungerechtigkeit und der systematischen Diskriminierung der Frau in der Gesellschaft, beispielsweise durch den Gender Pay Gap. Kenza hingegen trat mit ihrem Gedicht „Mauern“auf, ein Text über Selbstzweifel und imaginäre Mauern im Kopf, welche einen einschränken und kontrollieren.
Tara gewann das Stechen und wurde zur Siegerin des diesjährigen Poetry Slam Wettbewerbs gekürt. „Vielen Dank für die Teilnahme und all die tollen Texte!“, bedankte sich der Moderator am Ende des Abends, bei den Poet:innen, letztlich sei Kunst nicht wertbar.
(Sabrina Deppe)