Lise-Meitner-Gymnasium

Der Deutsch LK Q1 bei Kleist im Schauspiel Dortmund

14. Juni 2026 / Deutsch, Kultur, Literatur / Theater, Exkursionen

"Der zerbrochene Krug" von Henrich von Kleist als modernes Theaterstück? Für viele Leser/innen des Lustspiels wahrscheinlich kaum vorstellbar, oder? Wie sollen denn Werke des 19. Jahrhunderts gemäß der heutigen Zeit auf die Bühne gebracht werden? Doch genau das schafft Lola Fuchs als Regisseurin der Mystery-Seifenoper im Schauspielhaus Dortmund. Premiere feierte Lola Fuchs mit ihrem Schauspielteam am 11.10.2025, aber auch die Aufführung ca. fünf Monate später, am 13.03.2026, war ein voller Erfolg.

Schon der Beginn des Stücks war besonders. Denn es schwang nicht wie erwartet der samtig rote Vorhang beiseite und zeigte die große Bühne mit modernem Bühnenbild. Stattdessen trat Schreiber Licht, gespielt von Lukas Beeler, durch den Vorhang und stellte sich und das gesamte Stück kurz, aber trotzdem amüsant vor. Anschließend lichtete sich der Vorhang nun doch und das Bühnenbild mit zwei Häusern kam zum Vorschein.

Durch diese beiden dargestellten Häuser wurde die Bühne in zwei Teile geteilt. Links das Gericht von Dorfrichter Adam, der in dieser modernen Inszenierung Mr. A getauft wurde und von Linus Ebner gespielt wurde, und auf der rechten Seite das Wohnhaus von Marthe Rull, gespielt von Antje Prust, und ihrer Tochter Evangelista, liebevoll Eve genannt, die von Puah Abdellaoui gespielt wurde.

Und so nahm das Ganze dann auch schon seinen Lauf. Mr. A erfährt, dass Wendy Walter, die Gerichtsrätin, gespielt von Nika Misković, vorbeikommt, um sich anzuschauen, wie die Gerichtsverhandlungen in Huisum ablaufen. Mr. A, verletzt und dementsprechend mit Schrammen im Gesicht, ist an diesem Tag sowieso schon komplett durch den Wind, was auch durch den angekündigten Besuch durch Schreiber Licht nicht besser wird. Zu allem Überfluss erscheint aber nun auch noch Marthe Rull mit Eve im Gericht, da in der Nacht zuvor ihr Krug zu Bruch gegangen ist. Nun wird also heiß diskutiert, wer den Krug zerbrochen haben könnte.

Mr. A beschuldigt Ruprecht Tümpel, den Freund von Eve, gespielt von Roberto Romeo, doch dieser streitet alles ab. Durch Diskussionen, Anschuldigungen und Rückblicke durch eine Live-Kamera, die die Darsteller selbst bedienen, wird auch den Zuschauern immer deutlicher, dass Mr. A selbst der Täter ist.

Generell wurde den Zuschauern trotz einer Aufführungsdauer von 1:45h nicht langweilig. Denn auf der Bühne wurde nicht nur geschauspielert, sondern es wurden auch Videos mit einer Live-Kamera gezeigt, sodass die Schauspieler nur auf der Leinwand zu sehen waren. 

Es gab noch weitere Besonderheiten. Denn nicht umsonst nennt Lola Fuchs ihre Inszenierung eine „Mystery-Seifenoper“. Es wird nicht nur gesprochen, sondern auch gesungen. Einmal singen alle Figuren gemeinsam, einmal singt Eve alleine. Auch das sorgt dafür, die Zuschauer in einen Bann zu ziehen.

Jedoch ist das nicht alles, was Lola Fuchs an Modernität zu bieten hat. Denn sie arbeitet nicht nur mit modernster Technik und modernem Bühnenbild, sondern hat auch die Kostüme der verschiedenen Figuren meist modernisiert. Nur Schreiber Licht fällt in Hemd und Krawatte eher als altmodisch auf.

Frau Marthe hingegen trägt ein bauch- und rückenfreies Spaghettiträger-Top, das ihre Tattoos zeigt und Sandalen mit Absatz. Ebenso modern tritt Ruprecht mit Tattoos, Cowboystiefeln und Lederjacke auf. Beide Kleidungsstile wären zu Heinrich von Kleists Zeit undenkbar gewesen. Und trotzdem schafft die junge Regisseurin es mit ihrer modernen Grundidee, mit Eve als  Influencerin ist und mit ihrer Mutter, die online das Geschäft „The Pottery Fairy" betreibt und sogar dafür live auf der Bühne töpfert, den Grundgedanken von Kleist nicht zu verändern. Natürlich wurde das Stück stark modernisiert und einige Dinge wurden verändert. Beispielsweise gibt es eine Gerichtsrätin statt eines Gerichtsrates und Eve entscheidet sich am Ende dafür, das Dorf zu verlassen, um ihren eigenen Weg zu gehen und lässt dabei sogar Ruprecht zurück. Trotz allem bleibt die Kritik am Rechtswesen, die Kleist damals schon kundgetan hat, erhalten und wird zudem noch in die heutige Zeit übertragen.

Genau das zeigt den Zuschauern, welche Probleme auch heute noch gelöst werden müssen. Sei es sexueller Missbrauch wie bei Eve durch Mr. A oder dass immer noch nicht alle Frauen selbst über ihre Zukunft bestimmen können.

Trotz allen ernsten Themen, die Lola Fuchs in ihrer grotesken Seifenoper verarbeitet hat, bringt sie durch die moderne Technik Abwechslung ein und schafft es, das Publikum mit Ironie und Witz an den richtigen Stellen zum Lachen zu bringen, aber auch die Aufmerksamkeit auf die ernsten Themen zu lenken.

Alles in allem ist die Dortmunder Inszenierung also vollkommen gelungen und ist es auf jeden Fall auch Wert, angesehen zu werden!

(Autorin: Jana K.)

 

 

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