Epoche oder Epochen?
Klassik

Friedrich Schiller begründete gemeinsam mit Johann Wolfgang von Goethe den Stil der Weimarer Klassik, auch deutsche Hochklassik genannt - eine literarische Periode zwischen 1786 und 1805. Schon früh pflegte Schiller intensiven Kontakt zu Goethe, denn dieser bot ihnen fruchtbare Inspiration, die aus gemeinsamen Gesprächen, Projekten und Theorien resultierte und sie im Schreiben ihrer Werke anregte. Die Weimer Klassik vertrat bestimmte ästhetische Leitideen und geschichtsphilosophische Konzepte und zeichnet sich durch einen an der Antike und Renaissance orientierten Stil aus. Merkmale dieser literarischen Epoche sind die auffällige Welterfassung im Symbol und vor allem das harmonische Welt - und Menschenbild, gekennzeichnet durch Gefühl und Natur und den Einklang von Verstand.
Daher ist das Stück "Don Carlos" in die klassische Epoche einzuordnen.

Sturm und Drang

Dennoch weist "Don Carlos" überdies einige typische Merkmale der vorherigen Epoche des "Sturm und Drang" auf, auch Geniezeit genannt, welche von 1765 bis 1785 andauerte. Unter Einfluss der Aufklärung thematisierte der junge Schiller in seinen Dramen die Ablehnung von Autorität und unterstützte den absoluten Freiheitswillen: " Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit". Merkmale dieser von Spontanität und Gefühl geleiteten Epoche waren philosophisch - literarische Interessen, in deren Mittelpunkt die Emotionalität des Ausdrucks stand.

Bezug zu Don Carlos

Im Gegensatz zu dem Stil des "Sturm und Drangs" wirkt die Weimarer Klassik reifer und ist vermehrt auf die Schönheit der Natur bedacht. Schiller arbeitet in seiner Tragödie mit beiden Elementen, denn die Protagonisten Carlos und sein Freund Marquis von Posa weisen freiheitsliebende und rebellische Züge, vergleichbar mit der Epoche des Sturm und Drangs, auf. Der Marquis von Posa widersetzt sich mit seiner Ideologie gegen die herrschenden Ständeordnungen und Konventionen und versucht mit seiner jugendlichen Spontanität den König von einer besseren Welt zu überzeugen: "(...) das kühne Traumbild eines neuen Staates (...)".
Schiller schafft es gekonnt, beide Elemente - das Reife, Überlegte und das Emotionale, Gefühlsorientierte - zu verbinden und auf diese Weise den extremen Gegensatz zwischen den von Liebe und Leidenschaft geleiteten Carlos, dem freiheitsliebenden, idealistischen Marquis von Posa gegenüber der formvollendeten,reinen Königin Elisabeth und dem überlegten, rational denkenden König Philipps zu unterstreichen.

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